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Die Geschichte der Fußball-Europameisterschaften

Angefangen hat alles 1960 ganz klein. Das Interesse der europäischen Fußballverbände war noch relativ gering. Lediglich 17 von 33 möglichen Mannschaften stellten sich damals dem Wettbewerb, der wie 1964 noch "Europapokal der Nationen" hieß. Einige Größen des Weltfußballs glänzten durch Abwesenheit. Weder Deutschland noch England, Italien oder die Niederlande konnten sich für den neuen Wettbewerb erwärmen. Mit von der Partie war dagegen die DDR, allerdings mit eher mäßigem Erfolg. Für ein Finalturnier konnte sich die Mannschaft letztlich nie qualifizieren.
 
Aus vier mach 16

Die Endrunden liefen bis einschließlich 1976 in einem eher kleinen Rahmen von vier Teams ab. Schrittweise wurde das Teilnehmerfeld dann, auch aufgrund des steigenden Interesses der Verbände, erhöht. Seit 1980 stritten acht Mannschaften um den EM-Titel. Und im Zuge der zunehmenden Kommerzialisierung des Fußballs wurde das Programm weiter aufgebläht. Vielleicht waren auch die zahlreichen neuen Verbände in Osteuropa ein Grund, auf jeden Fall konnten die Medien ab der EURO 1996 über 31 Endrundenspiele berichten, denn das Teilnehmerfeld wurde nochmals auf jetzt 16 verdoppelt.

UdSSR gab zunächst den Ton an

Erster Titelträger war 1960 die UdSSR. Das Finale von Paris konnte die "Sbornaja" mit 2:1 nach Verlängerung gegen Jugoslawien gewinnen. Vier Jahre darauf hatte die UdSSR die Chance zur Titelverteidigung. Doch im Endspiel in Madrid behielten die gastgebenden Spanier mit 2:1 die Oberhand.

Den Titel gab's erst im zweiten Versuch

Auch 1968 triumphierten die Gastgeber. Allerdings benötigten die Italiener zwei Anläufe, um Jugoslawien zu besiegen. Das erste Spiel endete 1:1 nach Verlängerung. Da in solchen Fällen damals noch nicht das Elfmeterschießen zur Entscheidungsfindung herangezogen wurde, war ein zweites Finalspiel notwendig. Dabei setzten sich die Italiener mit 2:0 durch und sicherten sich damit den erstmals auch offiziell vergebenen Titel des Europameisters.

Aller Anfang ist schwer

In der Qualifikation zur EM 1968 stellte sich auch erstmals eine DFB-Auswahl dem kontinentalen Wettbewerb. Bundestrainer Helmut Schön hatte die Bedenken seines Vorgängers Sepp Herberger zerstreut. Dieser war der Auffassung, dass die vier Jahre zwischen den Weltmeisterschaften jeweils zum Aufbau eines neuen Teams erforderlich sind. Da passte ein Kräftemessen der europäischen Nationalmannschaften nicht ins Konzept.

Das klägliche Scheitern des Vize-Weltmeisters von 1966 in der Qualifikation zur EM 1968 (0:0 in Albanien) gilt bis heute als einer der größten Blamagen in Deutschlands Fußballgeschichte und bestätigte zunächst Herbergers These. Gleichzeitig aber bedeutete dieser misslungene Auftakt den Beginn von überaus erfolgreichen Auftritten deutscher Mannschaften im Rahmen von Fußball-Europameisterschaften.

Die beste deutsche Mannschaft aller Zeiten

Schon vier Jahre später nämlich sicherte sich die DFB-Auswahl erstmals den Titel. Bei der EM in Belgien gewann Deutschland das Finale im Brüsseler Heysel-Stadion gegen die UdSSR mit 3:0. Noch heute gilt das Team um Kapitän Franz Beckenbauer als beste deutsche Fußball-Nationalmannschaft aller Zeiten. Auf dem Weg zur EM-Endrunde hatte die Elf erstmals im Londoner Wembley-Stadion gegen die Engländer auf deren heimischem Boden gewonnen (3:1). Wie zur Bestätigung wurde man 1974 auch noch Weltmeister.

Nur knapp verpasste die Mannschaft von Helmut Schön 1976 die Titelverteidigung. Ein einziger Fehlschuss beim Elfmeterschießen im Finale gegen die ČSSR kostete den Sieg. Der entscheidende Ball von Uli Hoeneß landete im Nachthimmel von Belgrad.

Neuer Modus - Deutschland wieder siegreich

Bei der EM 1980 in Italien kam ein neuer Modus zur Anwendung. Acht Mannschaften, zunächst aufgeteilt in zwei Gruppen, spielten den Titel unter sich aus. Am Ende behielt Deutschland die Oberhand. Im Finale von Rom sorgte Horst Hrubesch mit seinen beiden Treffern für den Sieg gegen Belgien und für den zweiten deutschen EM-Titel.

Platini auf dem Gipfel

1984 dann musste Deutschland wieder kleinere Brötchen backen. Bereits nach der Vorrunde war diesmal Endstation. Dagegen spielte Frankreich in der Heimat ganz groß auf. Angeführt von einem überragenden Michel Platini marschierte die "Équipe Tricolore" durchs Turnier und war auch im Finale von Spanien nicht mehr aufzuhalten. In Paris siegte der Gastgeber mit 2:0.

EURO in Deutschland - Sieg des Erzrivalen

Erstmals fand 1988 eine Europameisterschaft in Deutschland statt. Das Team des Gastgebers wurde mit großen Erwartungen konfrontiert. Im Halbfinale war aber dann bereits Endstation. Und das ausgerechnet gegen den Erzrivalen Niederlande, der Dank seines Topstürmers Marco van Basten am Ende auch den Titel holte. Das Endspiel im Münchner Olympiastadion gewannen die Niederländer gegen die UdSSR mit 2:0.

Direkt vom Strand zum Titel

Im Sommer 1992 trafen sich Europas beste Nationalmannschaften in Schweden. Jugoslawien wurde aufgrund des Balkankrieges vom Turnier ausgeschlossen. Dänemark, dessen Spieler schon fast im Urlaub waren, rückte dafür nach. Völlig unbelastet spielten die Dänen auf. Auch Dank einer gehörigen Portion Glück standen sie dann plötzlich im Finale von Göteborg. Dort vermasselten sie dem haushohen Favoriten aus Deutschland, immerhin amtierender Weltmeister, die Tour und schnappten sich völlig überraschend die EM-Trophäe.

Deutschland, immer wieder Deutschland

Dass der Name Deutschland hier immer wieder auftaucht, kommt nicht von ungefähr. Die DFB-Auswahl prägte diesen Wettbewerb entscheidend und avancierte so zur erfolgreichsten Mannschaft des Kontinents.

Bestätigt wurde das bei der EURO 1996 in England. Im "Mutterland des Fußballs" traten erstmals 16 Teams, verteilt auf vier Gruppen, an. Nach dem Elfmeterkrimi im Halbfinale gegen den Gastgeber stand die deutsche Mannschaft erneut im Endspiel. Gegner im Londoner Wembley-Stadion waren wie im EM-Finale 1976 die Tschechen (damals Tschechoslowaken). Wieder sollte es eine enge Partie werden, wieder ging es in die Verlängerung. Doch ein Elfmeterschießen gab es diesmal nicht. Ein bis dahin kaum beachteter Spieler mit der Rückennummer 20 bescherte Deutschland den dritten EM-Titel. Oliver Bierhoff erzielte beide Tore im Finale, u. a. das erste "Golden Goal" der EM-Geschichte. Endlich trat Berti Vogts als Trainer einmal aus dem übermächtigen Schatten seines Vorgängers Franz Beckenbauer.

Auf den Titel folgt das Desaster

Der Titelgewinn von 1996 sollte der bis heute letzte große Erfolg einer deutschen Fußball-Nationalmannschaft gewesen sein. Im Jahre 2000 erlebte Deutschlands Fußball eine seiner schwärzesten Stunden. Erstmals wurde eine Endrunde von zwei Gastgebern (Niederlande und Belgien) ausgerichtet. Und das DFB-Team scheiterte bereits in der Vorrunde.

Dass dieses Abschneiden auf spielerische Defizite zurückzuführen ist, versteht sich von selbst. Dass die Spieler aber elementare Dinge des Fußballs vermissen ließen, war eine der schockierendsten Erkenntnisse. Selbst die oft zitierten "deutschen Tugenden" suchte man vergebens. So verloren die Mannen von Teamchef Erich Ribbeck nicht nur 0:1 gegen England, sondern ließen sich dann auch noch von Portugal vorführen (0:3). Dieser blamable Auftritt warf den deutschen Fußball um Jahre zurück. Er brachte Hohn und Spott. Und was noch viel schlimmer war, der gefürchtete Gegner Deutschland hatte seinen Schrecken verloren.

Unbeeindruckt davon sicherte sich Weltmeister Frankreich den EM-Titel. In Rotterdam gewann die "Équipe Tricolore" das Endspiel gegen Italien mit 2:1. Wie vier Jahre zuvor wurde das Spiel in der Verlängerung durch ein "Golden Goal" entschieden. Wieder war ein Spieler mit der Rückennummer 20 der entscheidende Mann - David Trezeguet.

Riesenüberraschung 2004 in Portugal

Beinahe Sensationelles trug sich vier Jahre darauf in Portugal zu. Allen Expertenvorhersagen zum Trotz ging die Trophäe am Ende an einen der größten Außenseiter. Ein gewisser Otto Rehhagel brachte es fertig, die Mannschaft Griechenlands zum Titel zu führen. Dabei gelang es ihm, dem Spielermaterial entsprechend eine optimale Taktik zu finden. Mit ergebnisorientiertem Fußball und einer gehörigen Portion Glück drangen die Hellenen bis ins Finale von Lissabon vor, wo Gastgeber Portugal mit 1:0 entzaubert wurde. Angelos Charisteas erzielte nach einer knappen Stunde das entscheidende Tor.

Die deutsche Mannschaft hingegen versäumte es, die Schmach von 2000 zu tilgen. Auf kontinentaler Ebene war erneut nach der Vorrunde Schluss. Auch Rudi Völler, zwei Jahre zuvor mit der Mannschaft noch Vize-Weltmeister, konnte das nicht verhindern. Als Otto Rehhagel den griechischen Götterolymp bestieg, war Völler längst von seinem Amt zurückgetreten.

Spaniens Auferstehung nach Jahren der Schmach

Im Jahre 2008 feierte Fußball-Europa wieder einen hoch verdienten Titelträger. Lange Zeit waren die Spanier trotz großer Ambitionen und enormen Talents dem Erfolg hinterhergelaufen. Beim Turnier in Österreich und in der Schweiz zogen die Männer aus Barcelona und Madrid unter Anleitung von Trainer Luis Aragonés endlich mal an einem Strang. Und dank herausragender spielerischer Qualitäten stimmten auch die Ergebnisse. Zwar glänzte man nicht immer, verließ den Platz aber nach jeder Begegnung als verdienter Sieger, auch wenn es im Viertelfinale gegen Weltmeister Italien einer Portion Glücks bedurfte (Elfmeterschießen).

Das Endspiel im Wiener Ernst-Happel-Stadion musste die "Selección Española" gegen Deutschland bestreiten. Den Sieg bringenden Treffer erzielte Fernando Torres nach gut einer halben Stunde. Das DFB-Team aber konnte sich erstmals seit dem Titelgewinn 1996 über ein weites Vordringen im Turnier freuen und bestätigte im Ansatz die Eindrücke von der Heim-WM 2006. Man ließ erneut großes Potenzial erkennen und überzeugte vor allem im Viertelfinale gegen Portugal. Doch fehlten der Mannschaft von Joachim Löw die Konstanz, wirklicher Teamgeist und eine Spur Erfahrung, um in jeder Partie Souveränität ausstrahlen und letztlich Spanien auf höchstem Niveau Paroli bieten zu können.

Erstmalige Titelverteidigung

Spaniens Ballvirtuosen gelang beim folgenden kontinentalen Championat einmaliges. Erstmals verteidigte ein Team den Europameistertitel erfolgreich. Und die inzwischen von Vicente del Bosque betreute Auswahl der Iberer tat das im Finale in überaus souveräner Manier. Nach zuvor eher dürftigen Leistungen spielten die Iberer gegen zum Teil ebenbürtige Italiener groß auf und gewannen am Ende deutlich mit 4:0. Mit dem dritten Triumph schloss Spanien zu Rekordeuropameister Deutschland auf.

Für die DFB-Elf war im Halbfinale Schluss. Das Team von Joachim Löw musste mal wieder kurz vor dem Ziel die Segel streichen. Gegen bärenstarke Italiener und zwei Tore von Mario Balotelli war man letztlich machtlos.

Neuer Modus, zahlreiche Debütanten und eine Titelpremiere

Acht Jahre zuvor im eigenen Land noch schmachvoll an Außenseiter Griechenland gescheitert, schwang sich Portugal 2016 zu ganz großen Taten auf. Zunächst lange Zeit sehr ergebnisorientiert unterwegs und in der Vorrunde nach drei Unentschieden lediglich dank des neuen Modus (erstmals 24 Mannschaften) als Gruppendritter weitergekommen, fanden die Spieler von Fernando Santos zu einer immer gefestigteren Einheit zusammen, die ihrem Trainer und dessen Taktik zu 100 Prozent vertraute. So wusste sich die Mannschaft von Spiel zu Spiel zu steigern und trotzte im Finale auch den favorisierten Franzosen. Ohne den früh verletzt ausgeschiedenen Superstar Cristiano Ronaldo zwang man den EM-Gastgeber in die Verlängerung. Jetzt setzten die Portugiesen eigene Akzente und "Éder" markierte den Siegtreffer zum ersten Titelgewinn der "Seleção Portuguesa".

Die Deutschen schieden erneut im Halbfinale aus. Der Turnierfavorit zeigte zwar insgesamt die besten Leistungen, glänzte mit dem attraktivsten Spielstil, doch fehlte es den Männern von Joachim Löw an Durchschlagskraft. Gerade die Phasen eklatanter Überlegenheit wurden zu selten durch Tore gekrönt. Die Chancenverwertung war eine Katastrophe und letztlich verantwortlich für das Aus in der Vorschlussrunde gegen Frankreich.
Enrico Barz

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